Weltrekord im eiskalten Wöhrsee

Julia Wittig und Ines Hahn stellen bei der Eismeile einen Guinness-Rekord auf

 Sebastian Meirandres | Stand 06.04.2020

Die „Auftauphase“ im wohltemperierten Zuber ist für Julia Wittig (l.) und Ines Hahn wichtig nach dem Eisschwimmen. Auch nach dem Weltrekord gab es ein Bad im „Bierkrug aus Holz“. −F.: Butzhammer

Burghausen. Bei weniger als vier Grad Celsius fast 22 Minuten im eiskalten Wöhrsee um den Eismeilen-Weltrekord schwimmen. Was für Normalsterbliche kaum vorstellbar klingt, haben die zwei Eisschwimmerinnen Julia Wittig (40) und Ines Hahn (28) geschafft. Die beiden haben ihren Weltrekordversuch vom Dezember 2019 in der Kategorie Eismeile mit einem Eintrag im Guinness-Buch vergoldet. Ab 2021 werden ihre Namen darin zu finden sein. Es hat ein Weilchen gedauert, aber inzwischen wurde die Rekordzeit von 21 Minuten und 33 Sekunden offiziell anerkannt und die zwei Schwimmerinnen haben ein Guinness-Zertifikat aus London erhalten.

Schon bei der Eisschwimm-WM 2017 in Burghausen räumten Julia Wittig und Ines Hahn ordentlich ab. Wittig holte sich den Titel über 1000 Meter, Ines Hahn wurde hinter ihr Zweite. „Nach der WM hatten wir noch eine Challenge offen“, sagt Wittig – die Eismeile. 1609 Meter in unter fünf Grad kaltem Wasser. „Das ist Extremsport und braucht spezielles Training.“ Und das Training hatte es in sich: Zehnmal pro Woche waren die beiden Frauen im Wasser – davon sechsmal im Wöhrsee, viermal im Hallenbad.

Bis das Guinness-Zertifikat aus London ins Haus flatterte, hat es etwas gedauert. −F.: privat

Angefangen mit ihren Einheiten für die Eismeile haben die zwei Schwimmerinnen im Spätsommer 2019, wie sie sagen. Als der See noch wärmer war, sind sie bis zu einer Stunde geschwommen. Mit sinkender Wassertemperatur gegen Jahresende haben sie dann versucht, die rund 22 Minuten der Eismeile im kalten Wasser zu simulieren. Das Hallenbad diente als „Tempo-Trainingsort“ und zum „Kilometersammeln“.

Im Rahmen der Weihnachtsfeier des Eisschwimmvereins SERWuS am 20. Dezember 2019 war dann der große Tag gekommen. Bewusst entschieden sich Julia Wittig und Ines Hahn für dieses Datum. Denn für den Rekordversuch bedurfte es mindestens dreier Zeugen und weniger als fünf Grad Wassertemperatur. Zeugen gab es bei der Weihnachtsfeier zuhauf, der Wöhrsee hatte 3,6 Grad. Zusätzlich waren auch Vereinsarzt Dr.Ernest Hartl und die Wasserwacht vor Ort. Trainer und SERWuS-Vorsitzender Stefan Hetzer maß die Zeit. Es war alles angerichtet für einen Weltrekord im eiskalten Wöhrsee.

„Das Schwimmen ist die eine Sache“, sagt Wittig. Nach so langer Zeit im Wasser sei aber auch eine „Auftauphase“ eminent wichtig. Dafür hatte der Verein ein Saunazelt sowie einen Zuber – ein mit 25 bis 30 Grad warmem Wasser gefüllter Holzbottich – aufgebaut. „Wir haben gezittert und die Helfer haben uns warme Handtücher über die Schultern gelegt“, erinnert sich Julia Wittig. In dem „Bierkrug aus Holz“, wie Wittig den Zuber nennt, „tauten“ die beiden dann endgültig wieder auf.

Noch mal wolle sie die Eismeile aber nicht unbedingt schwimmen, räumt Julia Wittig heute ein. Aber in der Rückschau sind die beiden stolz auf ihre Leistung. „Wir sind natürlich glücklich, waren super vorbereitet und sehr fit.“ Und dass sie zusammen schwammen und sich so gegenseitig zu Höchstleistung treiben konnten, sei sicherlich auch ein Vorteil gewesen. „Es war alles sehr harmonisch.“

Inzwischen wurde der Rekord auch offiziell anerkannt. Dass es so lange gedauert hat, liegt Wittig zufolge an mehreren Dingen. Die gemessene Zeit musste bei der International Ice Swimming Association (IISA) inklusive aller Belege eingereicht werden, 100 Dollar mussten überwiesen werden und die IISA musste das Ergebnis an die Guinness-Buch-Verantwortlichen nach London weiterleiten. „Es dauert eben, bis die Mühlen mahlen“, erklärt Julia Wittig die Verzögerung. Doch mittlerweile können die beiden Eisschwimmerinnen das offizielle Guinness-Zertifikat stolz in Händen halten – mit dem Wissen, dass sie ihre Namen 2021 im Rekordebuch lesen können.

(c) pnp − sme

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