Eine WM mit vielen Fragezeichen

Stand: 06.03.2018 Passauer Neue Presse

 Sechs kälteerprobte Eisschwimmer von SerWus Burghausen kämpfen ab heute in Tallinn um Titel

 

Das Team von SerWus Burghausen freut sich auf die Eisschwimm-WM: Franz Herbst (von links), Ines Hahn, Birgit Bonauer, Julia Wittig und Tobias Wybierek. Nicht auf dem Bild ist Dr. Ernest Hartl. − Foto: Hetzer

 Sechs kälteerprobte und unerschrockene Eisschwimmer von SerWus Burghausen vertreten Deutschland bei der Eisschwimm-WM in Tallinn, die heute beginnt und bis Samstag dauert. Die Wettbewerbe im Hafenbecken von Estlands Hauptstadt sind mit vielen sportlichen Fragezeichen versehen.

„Wir alle sind gespannt, was uns erwartet. Ich habe meine Sportler vor zu hohen Erwartungen gewarnt. An diesen Wettkämpfen nehmen 1200 Schwimmer teil, die 6000 Starts absolvieren. Gerade in den Altersklassen zwischen 25 und 39 Jahren ist die Dichte enorm, weil dort sehr viele Leute starten“, erklärt Stefan Hetzer in seiner Rolle als Trainer und Sportlicher Leiter des Burghauser Eisschwimmvereins.

Bei den 11. Welt-Titelkämpfen der International Winter Swimming Association (IWSA) werden die Schnellsten auf den kurzen Strecken bis 450m gesucht. Das ist die Gegenorganisation zur International Ice Swimming Association (IISA), die nur die Langstrecke 1000m bei der WM austrägt und im Januar 2017 in Burghausen als Veranstalter auftrat.

Sprintspezialist Tobias Wybierek, der bei den German Open 2017 im Wöhrsee die 50m Brust und Freistil sowie die 100m Lagen gewonnen hat, Julia Wittig (Weltmeisterin über 1000m von 2017), Ines Hahn (Vizeweltmeisterin über 1000m von 2017/German Open-Siegerin von 2017 über 200 und 500m Freistil) sowie Birgit Bonauer (Fünfte der German Open von 2017 über 200 und 500m Freistil) treten über die 25, 50, 100, 200 und teils auch über 450m im knapp unter einem Grad kalten Wasser an. Dazu kommen in den Altersklassen Franz Herbst (AK60) und Dr. Ernest Hartl (AK50), der zugleich als Teamarzt fungiert. Neben den zahlreichen Konkurrenten, die es in dieser Form bei den meisten Veranstaltungen des Ice-Cups nicht gibt, fällt eines noch besonders auf: „Russland, Finnland und Estland sind uns in dieser jungen Sportart einen großen Schritt voraus. Sie kommen mit richtigen Nationalteams und einem dementsprechenden Betreuerstab. Wir treten zwar für Deutschland an, sind aber im Prinzip das SerWus-Team“, so Hetzer. Der Trainerfuchs glaubt dennoch, dass seine Burghauser sehr gute Platzierungen erreichen. Ob es letztlich mit Medaillen klappt, ist kaum zu prognostizieren, weil auch die angegebenen Bestzeiten nicht wirklich zu vergleichen sind.

Mit Blick auf die Truppe von der Salzach stellt Hetzer fest, dass der Formaufbau bei allen vier Leistungssportlern von SerWus stimmt. Einzig Tobias Wybierek hatte aufgrund einer Erkrankung etwas Probleme und musste längere Zeit aussetzen. Beim letzten Testwettkampf in Konstanz lief es wieder recht gut. Ines Hahn, Julia Wittig und Birgit Bonauer nahmen an drei bzw. vier Rennen teil. „Es ging uns darum, lange Sprints zu setzen und damit das Stehvermögen zu stärken. Das gelang allen sehr gut“, freut sich Hetzer.

Ein Prestigerennen gab es im Bodensee aber doch. Ines Hahn duellierte sich mit der starken Polin Hanna Bakuniak und gewann nach einem taktisch klugen Rennen über 1000m. Die restlichen Einsätze standen ganz im Zeichen des WM-Countdowns und der Demonstration eines tollen Mannschaftsgefüges. So traten Wittig und Bonauer über 500m gegeneinander an. Wittig siegte, schwamm aber nochmals zurück, um dann gemeinsam mit ihrer Freundin das Ziel zu erreichen. „Das hat alle beeindruckt“, so Hetzer.

Die letzten Tage vor der WM bereiteten sich die Sportler im warmen Wasser vor, da der Wöhrsee wegen Sanierungsarbeiten gesperrt ist. „Das war keine böse Absicht und mit allen Verantwortlichen so abgesprochen“, betont Hetzer. So konzentrierten sich die Aktiven auf die Optimierung der Ausdauer und des Sprintvermögens. Diese Basis ist auf den kurzen Strecken von entscheidender Bedeutung. Eine besondere Herausforderung wird das extrem kalte Gewässer in Tallinn. Wassertemperaturen von unter einem Grad sind die Oberbayern dann doch nicht gewohnt.
− uli

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Die WM Mannschaft

 

 

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