Burghauser räumen zehn WM-Titel ab

Stand 14.03.2018 Passauer Neue Presse

SerWus-Quartett läuft beim Eisschwimmen in Tallinn heiß – Julia Wittig triumphiert über alle fünf Freistilstrecken

Über alle fünf Freistilstrecken holte Julia Wittig bei der WM im Eisschwimmen den Titel in ihrer Altersklasse. − Foto: Zucker/Archiv

  „Nein, ich habe nicht bewusst tiefgestapelt vor der Weltmeisterschaft. Wir wussten wirklich nicht, was uns erwartet. Unsere Sportler haben sich wirklich perfekt geschlagen“, freut sich Trainer Stefan Hetzer vom Eisschwimmverein SerWus Burghausen. Dessen vier Top-Athleten fischten 23 Medaillen aus dem Hafenbecken von Tallinn, allein zehn Titel durften bejubelt werden. Die fette Beute in der Hauptstadt Estlands teilten sich die bestens aufgelegten Julia Wittig (5 Gold/0 Silber/1 Bronze), Ines Hahn (2/1/0), Birgit Bonauer (1/2/3) und Tobias Wybierek (2/1/5).

„Diese Medaillenflut kommt durch die Aufteilung in Altersklassen zustande. Wichtiger ist, dass alle unsere Sportler in der übergreifenden Wertung auch zeitlich in der Weltspitze vertreten sind. Das zeigt, dass unser systemisches Vorgehen sehr nachhaltig ist. Die Zeiten im Eiswasser nähern sich denen im Becken mittlerweile deutlich an“, so Hetzer. Alle Aktiven des Burghauser Vereins trainieren nur nebenbei und opfern viel Zeit für diese neue und recht erfrischende Sportart.

Deutschland selbst trat bei dieser Veranstaltung nicht als Landesverband auf. „Insgesamt waren zwölf einzelne Vereine am Start. Wir haben uns aber alle untereinander geholfen. Somit ist ein toller Teamgedanke entstanden. Das nächste Ziel ist es nun, dass ein nationaler Eisschwimmverband ins Leben gerufen wird“, erklärt Hetzer. Am Ende der Wettkämpfe im nur 0,2 Grad kalten Wasser drückten die Eisritter von der Salzach vor allem noch Tobias Wybierek die Daumen und konnten mit dem 25-Jährigen jubeln. Der Sprinter, der vor der WM krank und deshalb nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war, erkämpfte noch Gold über 25 und 50m Brust – und verdiente sich damit auch den Respekt seines Trainers: „Für Tobi hat es mich sehr gefreut. Vor allem holte er zwei Weltrekorde. Er arbeitet auch Vollzeit und studiert nebenher noch.“

Äußerst packende Rennen lieferte sich Ines Hahn mit der Polin Hannah Bakuniak. Zunächst hatte die 26 Jahre alte Freiwasser-Spezialistin über 100m Freistil erst beim Anschlag das Nachsehen, dann revanchierte sie sich über die 200m dank einer cleveren Taktik mit Gold und gewann schließlich auch über 450m. „Das war ein schwieriges Rennen für sie, weil sie nicht mit der Polin in einem Lauf war, was für Unverständnis sorgte. Sie hatte keine sportlich relevante Gegnerin. Trotzdem ging alles wie geplant auf“, informiert Hetzer.

Alle vier Burghauser wurden in den Tagen von Tallinn mit Gold dekoriert. Julia Wittig stand im Freistil über 25, 50, 100, 200 und 450m ganz oben. „Julia ist eine sehr harte Arbeiterin und wurde für ihr großes Engagement belohnt. Sie hat sich noch toll weiterentwickelt und kann auch mit den Jungen sehr gut mithalten“, lobt Hetzer die 38-Jährige, die Mutter einer Tochter ist. Birgit Bonauer (31), eine Spätberufene in Sachen Schwimmen und wie Wittig Lehrerin, gewann über 200m Brust. „Damit hat sich auch für sie der gesamte Aufwand gelohnt. Von den Zeiten her ist Birgit auch die drittbeste deutsche Frau“, betont Hetzer.

Nahezu alle internationalen Athleten, die bei diesen Titelkämpfen der International Winter Swimming Association (IWSA) dabei waren, würden eine Vereinheitlichung der Wettkampfregeln und eine Neustrukturierung der WM begrüßen, informiert Hetzer: „Dafür hat der Verband jetzt zwei Jahre Zeit. Im Prinzip wünschen sich alle einen übergreifenden WM-Titel ohne Altersklasse.“ In ziemlich genau einem Jahr richtet die International Ice Swimming Association (IISA) wieder ihre WM über 1000m im russischen Murmansk aus. Dann könnten Julia Wittig und Ines Hahn ihren Doppelsieg in der offenen Klasse von Burghausen 2017 wiederholen.

Uli Kaiser

 

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