60 Mutige schwimmen in der Eiseskälte

Eisschwimmen war an diesem Wochenende wieder groß in Burghausen – Es ging ums Mitmachen bei der 2. Stadtmeisterschaft

21.01.2019 | Stand 21.01.2019, 02:13 Uhr

 

Idyllisch, aber eiskalt war es in der Eisarena am Wöhrsse. Dort hatten sich Zuschauer und Teilnehmer versammelt. −Fotos: Hernd (1); Kaiser (3)l

Burghausen. Es war richtiges Eisschwimmen, bei 3,1 Grad Wassertemperatur und Minusgraden in der Luft, das an diesem Samstag in Burghausen stattfand. Für die 2. Stadtmeisterschaft im Eisschwimmen hat der Veranstalter, der Burghauser Eisschwimmverein SerWus, ein eiskaltes Wochenende erwischt. „Wir sind mit der Teilnehmerzahl von 60 sehr zufrieden“, sagte Vereinsvorstand Stefan Hetzer. Zunächst sollte es eine Anmeldefrist bis Ende Dezember geben, dann wurden aber doch Nachmeldungen zugelassen. Eine gute Idee: „Es gab noch viele Nachmeldungen“, so Hetzer. Einen Eisschwimm-Stadtmeister gab es aber wie schon in der ersten Auflage nicht. Es wurden Sieger in den jeweiligen Altersklassen und Disziplinen gekürt (s. Textende).

Ein Highlight war die Eismeile von Josef Köberl. Der aus dem Salzkammergut stammende 42-jährige Eisschwimmer trainiert sogar im Sommer in einer Eisgrotte auf dem Hintertuxer Gletscher. In Burghausen kämpfte er sich – als einziger – über die Eismeile, eine Distanz von 1609,3 Meter. Sein Ziel war der österreichische Rekord, der bei 31,22 Minuten liegt. Josef Köberl schlug zwar erst nach 34 Minuten und 48 Sekunden final an, dennoch zählt er zu einem kleinen Kreis von etwa 200 Menschen, die die Eismeile bisher überhaupt geschafft haben.

Zähes, aber erfolgreiches Ringen mit dem 3,1 Grad kalten Wasser: Der Österreicher Josef legte 65 Bahnen zu 25 Metern zurück. −Fotos: Kaiser

Der kernige Österreicher war zunächst perfekt unterwegs, dann aber zog ihm die Eiseskälte des Wassers viel Energie. „Ich wollte die Eismeile schaffen und habe sie auch geschafft. Wobei es recht früh sehr schwer ging, weil meine Schulter so verspannt war“, erklärte der Österreicher. Dennoch: „Ich komme immer gerne nach Burghausen, weil ich hier unter meinen Freunden bin.“ Und so klopften ihm dann auch viele auf die Schulter, weil sie großen Respekt vor seiner Leistung hatten.

Selbstverständlich war für den Extrem-Eisschwimmer ein Arzt immer am Beckenrand. Dr. Ernest Hartl, selbst SerWus-Eisschwimmer, überprüfte stets den Zustand des Extremsportlers: „Ich habe ihn vorher kontrolliert und ihm immer wieder in die Augen geschaut bei den Wenden. Es hat kein Problem gegeben.“
Einen ganz anderen Ansatz wählte die Burghauserin Barbara Hacker. Sie ist quasi eine Novizin dieses erfrischenden Treibens. Die Grundschullehrerin begann erst im Dezember mit Eisschwimmen und ist begeistert: „Es macht mir viel Spaß. Ich wusste, dass ich bei meinen 200 Metern viel länger als die anderen brauchen werde, aber das störte mich überhaupt nicht“, sagt sie ganz nach dem olympischen Gedanken „Dabei sein ist alles“.

Genau diese Schnittstellen sind es, die der Eisschwimmverein SerWus Burghausen mit der Stadtmeisterschaft bedienen will. „Wir haben ein paar Leistungssportler, wollen aber auch viele Menschen dazu bewegen, das einfach mal auszuprobieren. Diesmal hatten wir schon 60 Starter, davon 40 aus Burghausen“, so Vorstand Hetzer.

So reiste zum Beispiel Günther und Susanna Patzig extra aus Wismar an, um ihrem gemeinsamen Hobby zu frönen. „Wir sind vor vielen Jahren auf Burghausen gestoßen. Seit den 2. German Open sind wir dabei. Wir genießen das wunderbare Ambiente“, sagt Günther Patzig.

Zähes, aber erfolgreiches Ringen mit dem 3,1 Grad kalten Wasser: Der Österreicher Josef legte 65 Bahnen zu 25 Metern zurück. −Fotos: Kaiser

Auch unter den Burghauser Teilnehmern waren nicht nur Vereinsmitglieder, sondern auch einige, die von den Stadtmeisterschaften in der Heimatzeitung gelesen haben. Manche dürften am Samstagnachmittag im Bayerischen Fernsehen einen Beitrag über Florian Wybierek gesehen haben. Der 19-jährige hat sich von seinem Bruder Tobias, dem mehrfachen Weltmeister, überreden lassen, das kühle Nass zu testen und hat Blut geleckt: „Vielleicht packe ich da auch richtig an. Die Medaillen meines Bruders haben mich schon motiviert.“

Aus dem kalten Wasser ging es für Eisschwimmnovizen Florian Wybierek aus Burghausen gleich vor die Kamera des Bayerischen Rundfunks.

Medaillen gab es diesmal für die guten Platzierungen je nach Altersklasse. Spaß und Mut standen für die Organisatoren im Vordergrund. Echte sportliche Vergleiche, so die Vereinsführung, würden aufgrund des unterschiedlichen sportlichen Ambitionen kaum Sinn machen. Rund 30 Helfer von Verein und der Wasserwacht sind für die Stadtmeisterschaft viele Stunden in der Kälte aktiv gewesen.

pnp − uli

Ergebnisse Altersklasse (AK)

AK 20: Tobias Wybierek
AK 30: Birgit Bonauer
AK 40: Julia Wittig/Lars Herbert Mack
AK 50: Kathrin Döring/Richard Hirmer
AK 60: Franz Herbst

Junioren: Antonia Ruhland/Michael Berger
AK 20: Karin Kainzmaier/Tobias Wybierek
AK 30: Birgit Bonauer/Andreas Eglseer
AK 40: Conny Prasser/Lars Herbert Mack
AK 50: Martina Bonauer/Peter Winkler
AK 60: Anita Liedke/Franz Herbst

Junioren: Luisa Lang/Michael Berger
AK 20: Jasmine Pliessnig/Tobias Wybierek
AK 30: Birgit Bonauer
AK 40: Julia Wittig/Lars Herbert Mack
AK 50: Kathrin Döring /Richard Hirmer
AK 60: Susanna Patzig/Franz Herbst

Junioren: Luisa Lang
AK 20: Jasmine Pliessnig/Tobias Wybierek
AK 30: Birgit Bonauer
AK 40: Julia Wittig/Rupert Hofer
AK 50: Kathrin Döring/Richard Hirmer
AK 60: Susanna Patzig/Franz Herbst

(4 x 25m ): SV Wacker Burghausen

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